Unbedingte Zweisamkeit

März 14, 2014|Posted in: Artikel, Du Tarzan - Ich Jane|By

Sie tut es unbewusst, glaubt in der ihr subjektiven Wahrnehmung von Schönheit, Statur und finanzieller Generosität den Richtigen, den in diesem Moment Einzigen, auserwählt zu haben. Sie nennt es Liebe, ist sich sicher, den Mann für ihr Leben gefunden zu haben.

Unbewußt aber hat sie eine bedeutsame Entscheidung getroffen: Dieses maskuline Wesen, den sie innig küßt, dem sie vertraut, dessen Eigenschaften und kaum wahrnehmbare Absurditäten sie für sich umspielt und hinnimmt, wird der Vater ihres Kindes. Er wird intuitiv beurteilt und erwählt nach seiner vermeintlichen Zeugungsfähigkeit.

Nur er weiß nichts davon, da er sich in einem siebten Himmel wähnt und noch keinen einzigen Gedanken daran verschwendet, einen Erben zu zeugen. Für ihn ist ihre bedingungslose Hingabe ein Zeichen von unbedingter Zugehörigkeit, Exklusivität und seiner überzeugenden Vereinnahmung. Nur er ist es wert, kein anderer. Und stellt sich tatsächlich ein anderer in den Weg, wird dieser mit darwinistischer Unversöhnlichkeit ohne den geringsten Zweifel bekämpft, und wenn auch nur verbal. Hat sie diese, seine Eifersucht, wahlweise mit oder ohne Vorsatz geweckt, kann sie problemlos zur Zukunftsplanung übergehen. Er läuft jetzt nicht mehr weg. Selbst zu einer Hochzeit ist er zu überreden, schließlich liebt sie ihn, den Einzigen, abgöttisch und ohne jeden Zweifel. Und falls er kurzzeitig leichte Unsicherheiten zeigt, lenkt sie ihn mit perspektivischer Verblendung, kulinarischen Extravaganzen und paralleler sexueller Höchstleistung davon ab, denn noch zeigt ihr körperliches Empfinden eine unglaubliche Genugtuung bei diesem seltenen Hochgefühl. Und sie weiß auf den Tag genau, wann es wieder passieren muß. Nur er nicht.

Funktioniert die Kindeszeugung, kann sie entspannt zu ihrer evolutionär programmierten Zeitplanung zurückkehren. Dann hat er keine Chance mehr, alles liegt ausschließlich nur noch in ihrer Hand. Funktioniert es nicht, wird in dem gleichem Prozedere weitergemacht, mindestens ein  Jahr. Danach wird es für ihn schwierig. Er als Auserwählter soll physisch nicht in der Lage sein, Kinder zu zeugen – ein Vorwurf, der dem männlichen Ego kratzt. Die Mausefalle schnappt zu, ab jetzt ist er bei dem Projekt dabei, er setzt mit ihrer mentalen Unterstützung alle aktuellen wissenschaftlichen Exegesen mithilfe teuer bezahlter Experten in die Tat um – unbeachtet der Tatsache, daß es dadurch sogar Zwillinge oder auch Drillinge werden könnten. Egal, ab jetzt zählen für sie als Frau nur noch die Lebenserfüllung in Form eines Kindes und für ihn als Mann ihr Wohlbefinden und der Glaube an die baldige und aus seiner Sicht unendliche Dreisamkeit.

Denn verabschiedet sie sich nach getaner Niederkunft, bekommt er vielleicht ein richtiges Problem. Keinen gewollten Zugang mehr zu seinem leiblichen Kind, dafür stetige Fremdfinanzierung im Monatstakt. Zuneigung wird sich dann alltäglich in rein praktischen oder finanziellen Dingen erworben, immer und direkt zum Wohle des Kindes. Diese bittere Erkenntnis wird ihm langsam bewußt, auch wenn er es nicht wahrhaben will und allein die Gedanken daran penetrant von sich schiebt. Wann er sein Kind sehen darf, bestimmt in Zukunft einzig und allein seine ehemalige große Liebe, die ihn jetzt nicht mehr real wahrzunehmen wünscht.

Diese, ihre Liebe, die sie ihm einst scheinbar bedingungslos schenkte, hat sich mit der Zeugung ihres Nachwuchses direkt und unabdingbar auf das Kind übertragen. So spontan und zugleich berechnend dieser Akt gewesen sein könnte, umso bitterer diese Wahrnehmung für ihn. Er begreift diesen Fakt erst sehr viel später mit der finalen Trennung, sie allerdings bereits am Tag der Geburt des gemeinsamen Kindes.

Sie weiß, er ist ihr Mann, Liebhaber und Freund, aber trotzdem im Zweifelsfalle zu vernachlässigen. Ab diesem Moment, wo sie im Kreißsaal das Neugeborene auf ihren erschöpften Körper gelegt bekommt, diese unbeschreiblichen Schmerzen sich in eine wohlige, innere Wärme verwandeln und nur noch als das vollkommene Glück beschreiben lassen – ab diesem Moment transferiert sich ihre Liebe von ihm mit jeder ihrer Fasern auf das Kind. Ohne Kompromisse, für immer und alle Zeit.  Denn dafür ist sie auf die Welt gekommen.

Und sie kann nicht einmal etwas dafür.

 

9 Comments

  1. Janine Wagner
    17. März 2014

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    Sowas kann nur ein extrem verbitterter Mann schreiben. Schade …

  2. susanne
    17. März 2014

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    Noch einmal ein kleiner Hinweis: Nicht jeder Text in autobiografisch, sondern wir versuchen kontroverse Thesen aufzustellen über die dann gerne diskutiert werden kann.
    Wenn eine These auf Widerstand stößt, dann nur raus damit, und den Versuch unternehmen, sie zu widerlegen.
    Ob der Autor schlechte Erfahrungen gemacht hat, oder nicht, darum soll es nicht gehen, denn wir schlüpfen auch bewusst in verschiedene Rollen, um zu polarisieren.

  3. Janine Wagner
    17. März 2014

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    Mir ging es jetzt gar nicht darum zu sagen das ralf – oder wer auch immer – im speziellen verbittert ist. Meiner Meinung nach zeugen solche Texte/Gedanken aber von einer extremen Verbitterung. Wurde in dem Falle in eine andere Rollte geschlüpft um zu polarisieren, dann eben (meiner Meinung nach) in die Rolle eines verbitterten Mannes.

    Ja, die MutterKind-Bindung ist sicher eine besondere. Das hat die Natur so eingerichtet und sie tut gut daran.

    ABER 1. Tue ich mir immer schwer mit derart schwarz/weißen Thesen und absoluten Äußerungen zu komplexen Themen wie Liebe, Bindung, Eltern, Religion etc. und 2. fühle ich mich als Frau, die noch nichtmal ein Kind hat, durch den Text fast schon angegriffen. Ich finde gar nicht alles oben geschriebene daneben. Viel wahres ist da dabei – das worauf es dann aber schlußendlich hinausläuft, nämlich das ein Mann wenn das Kind da ist eigentlich keine Rolle mehr spielt, ist für mich blanker Unsinn der aus einer Verbitterung heraus entsteht und sich als dunkler Hass langsam durch das Herz und die Seele des Mannes frisst.

    Es mag solche Fälle auch geben, das sage ich ja gar nicht. Aber oben steht es für mein Empfinden als absolute und grundsätzliche Aussage zu Frauen im Allgemeinen.

  4. Mia Bartholomä
    24. März 2014

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    Ich finde den Beitrag durchaus interessant.

    Natürlich wirkt dieser Blickwinkel stark polarisierend. Aus Sicht der Evolotions- und Fortpflanzungsbiologie ist er in jedem Fall in gewissen Teilen zutreffend.

    Die dargestellte, sicher mehr unterbewusste Gesinnung von Frauen ist nun nicht gänzlich von der Hand zu weisen, denn letzlich geht es einem gesunden Organismus ja in der Tat um Fortpflanzung.
    Und auch, dass das Band zwischen Mutter und Kind stärker ist, als jede andere, nennen wir es „äussere“ Beziehung, entspricht absolut der Wahrheit.Der Zweck auch hier das Überleben der Art.

    Natürlich könnte kontrovers diskutiert werden, dass das menschliche Verhalten nicht nur von Hormonen, ferner Instinkten gesteuert ist und in einer zivilisierten Gesellschaft auch der Geist seinen Beitrag zu einem gesunden Miteinander leisten sollte, bei Männlein, wie Weiblein.

    So provokativ und überzeichnet Ralfs Beitrag erscheinen mag, so reizvoll ist für mich (als dreifache Mutter) eine genaue Auseinandersetzung mit dem Thema.

    Gibt es doch in der Tierwelt die praktizierte Verfahrensweise, dass das Weibchen das Männchen nach der Kopulation frißt. Aus dem dargestellten Blickwinkel wäre das aus meiner Sicht eine gute Lösung des Problems. Auch um ALLEN schlimmeres zu erparen.

    Was eine Gegendarstellung anbelangt, in Bezug auf das Thema intersexuelle Selektion, wäre es besonders interessant, mal die biologische Rolle und Aufgabe eines Mannes näher zu beleuchten, die nämlich ist, möglichst viele Nachkommen zu zeugen und man (n) sich gerne zum erreichen dieses Ziels auch Mischstrategien annimmt.
    Kommt es in festen Beziehungen nachgewiesener Maßen doch oft zu Seitensprüngen…

    Ein weites, sehr aufregendes Thema , das ewig dem Zeitgeist entspricht und immer Interesse wecken wird ,solange Menschen miteinander oder auch nebeneinander existieren.
    Axel Springer und Konsorten ist, der Evolutionsbiologie und den Geschichten, die Sie schreibt, zu Dank verpflichtet.

    Wenn man sich dem Thema also mit etwas Humor annimmt, kann es sogar belebend wirken, „schwarz“ und „weiß“ zu diskutieren, um sich gelungen in der „Grauzone“ miteinander zu bewegen.

    Sarkastisch behaupte ich grinsend: Am Schönsten ist doch die Balz..Toll, dass wir unsere Partner selbst wählen können!

    Mögen die Spiele beginnen. 😉

  5. susanne
    24. März 2014

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    Gehen wir doch mal einen Schritt weiter, und schauen uns an, was nach der Zeugung passiert. Wieviele Partnerschaften scheitern daran, dass mit der Empfängnis die Partnerschaft ad Acta gelegt wird, und die Frauen nur noch Muttertier sind. Ich kenne negative Fälle, da wurde den Männern nicht mal die Minimalversorgung der Nachkommenschaft zugetraut, so dass sie automatisch zum 5. Rad am Wagen wurden, währen Mutter und Kind eine (ungesunde) Symbiose eingingen, innerhalb derer nichts und niemand mehr Platz hatte.
    Ich kenne auch positive Beispiele, wo Paare sich sehr auch um ihre Existenz als Liebende bemühten und das neben ihrer Rolle als Eltern auch aufrecht erhielten.
    Aber in den meisten Fällen läuft es doch so, dass die Männer ein bisschen ins Abseits geraten und nur noch aus der zweiten Reihe zusehen. Sie verlieren ihre Partnerin, ihre Geliebte und oft auch ihre stärkste Bewunderin.
    Ist aus der Sicht der Männer nicht ganz so leicht weg zu stecken – wie ich finde…
    Und sollte so auch nicht sein, denn hier unterscheiden wir uns doch zumindest minimal von dem was die Evolution im Tierreich steuert und lenkt. Wir haben diesen freien Willen und können uns entscheiden Dinge nicht einfach so laufen zu lassen, sondern bewusst zu tun!
    Bewusst nicht nur Mutter, sondern auch Geliebte sein zum Beispiel :-)!

  6. Michael
    1. April 2014

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    Ich – als Mann und Vater – finde diesen Artikel äußert schwach und eben auch VERBITTERT. Was soll denn so ein unsinniges Geschreibe von vermeintlicher Evolution und weiblicher Steuerung?
    Man(n) kann auch als Vater sehr wohl durch die Geburt eines Kindes in eine neue Gefühlsdimension „aufsteigen“ und auch die Frau hat sicher damit zu kämpfen plötzlich nicht mehr die uneingeschränkt „angebetete“ zu sein.

    Das beide (!) da viel mehr in und für die Zweisamkeit investieren müssen, ist leider so – aber dafür haben sich hoffentlich BEIDE entschieden!

  7. Georg
    27. Juni 2014

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    Ich kann mich da Michael nur anschliessen. Ich finde es schon etwas sehr zu weitgehend, kategorisch zu unterstellen, dass Frauen Maennern Kinder unterschieben. So weit ich mich erinnern kann, koennen auch Maenner zur Verhuetung beitragen … oder bin ich da falsch informiert?! Bei mir hat es im Uebrigen bisher bestens funktioniert zu verhueten. Verbittert trifft es gut, neidisch keine eigene Familie zu haben koennte auch passen und der Text klingt eben auch sehr nach narzisstischer Persönlichkeitsstörung. Da hoffe ich sehr, dass der Text wirklich nicht autobiographisch zu verstehen ist.

  8. Roland
    28. Juni 2014

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    Na da hat aber jemand ein Fass aufgemacht .
    Wir Menschen haben uns sicher von Bewusstsein gewaltig entwickelt, aber trotzdem ticken unserere archaischen Gehirnmustern in uns noch. Dies kommt in der Partnerwahl ganz klar zum tragen .
    Je mehr sich der Einzelne dieser Tatsache bewusst wird/ist, umso schöner und farbiger wird das Leben miteinander .
    Es ist so herrlich sich selbst immer wieder auf die Schliche zu kommen!

    Und übrigens – alles was mich berührt, sei es im Positven oder Negativen, hat mit mir zu tun. Je mehr ich es weg tue umso tiefer liegt es bei mir selbst im Schatten.

  9. mia
    28. Juni 2014

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    Sensationeller Kommentar! Das beste, was ich hier bisher gelesen habe!

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