Alle haben ‘nen Job, ich hab Langeweile! Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern (Marteria, Kids)

Februar 21, 2014|Posted in: Artikel|By

Wer den Song nicht kennt – muss ihn sich (leider) erst anhören…

Ich bin 36 Jahre alt, gekifft habe ich nie wirklich erfolgreich, aber mit Trinken und Feiern kenne ich mich ganz gut aus.
Ich habe ehrgeizige und erfolgreiche Freunde und habe auch selbst Einiges erreicht in den letzten Jahren.

Was bedeutet denn „Älter werden“? Bedeutet es neben der beginnenden Bindegewebsschwäche, den kleinen Furchen, die um die Augen herum ganz zart entstehen, und an manchen Tagen plötzlich viel furchteinflössender und tiefer erscheinen, dass man sein Feuer verliert? Dass man zur Langweilerin unter lauter Langweilern wird?

Dass wir nur noch Passat fahren, weil unsere Nerven den kleinen roten Flitzer unter dem Hintern nicht mehr aushalten, oder lieber golfen, weil wir langsam mit Sex aufhören?
Legen wir plötzlich mehr Wert auf politisch korrekte und gesunde Ernährung, als auf Genuss?
Werden wir müde und müssen ins Bett, bevor die Wolken wieder lila sind, und tanzen nicht, bis unsere Füße schmerzen und die Wimperntusche in unseren verschwitzten Gesichtern verläuft?
Trinken wir unter der Woche nicht mehr, weil wir am nächsten Morgen mit einer Menge Verantwortung in den Tag starten müssen, oder haben wir unsere Träume an unsere Realität angepasst und sie dadurch wie durch Zauberhand geschrumpft?

Nein, dass bedeutet es für mich nicht.

Erst kürzlich hab ich einen Freund in Berlin besucht, und wir haben in seiner extrem coolen Prenzelberg-, Hinterhaus- & Dachterrassenwohnung (ja, wir können uns sowas jetzt leisten, und müssen unser Dasein nicht mehr in schrabbeligen WG Zimmern fristen), Michael Jackson so laut aufgedreht und den Moonwalk geübt, dass der fünfzehn Jahre jüngere Hipster von unten hoch kam und wütend gegen die Tür gehämmert hat.

Vor wenigen Tagen habe ich mir noch einmal die genauen Zusammenhänge durchgelesen, warum Alkohol die Fettverbrennung lahmlegt, und dann zusammen mit meiner besten Freundin zwei Flaschen Sekt getrunken.
Ich erwähne nur die ersten Beiden, weil ich mich nicht mehr im Detail erinnere, was ab dem Zeitpunkt passierte, wo Nummer Drei ins Spiel kam.

Golfen kann ich nicht, dafür habe ich noch gerne und regelmäßig Sex. Manchmal auch lieber als Kuscheln, Reden oder Pärchenabende.

Weil ich Lust hatte und mir einen Traum verwirklichen wollte, habe ich letztes Jahr einen Roman geschrieben.
370 Seiten über die Dinge, die mich auf dem Weg zum Erwachsenwerden beschäftigt haben.

Erst kürzlich habe ich mit meiner Agentur, die ich seit 10 Jahren erfolgreich führe, ein riesiges Projekt akquiriert und abgewickelt. Der Druck und die Verantwortung waren immens, aber wir haben die Zähne mehr als zusammen gebissen und einen Top Job gemacht.
1.200 Promoter – an jeweils drei Tagen – kein Witz!

Anfang diesen Jahres hat mir meine Freundin eröffnet, dass sie neben ihrer Selbstständigkeit in der Werbebranche, demnächst noch ein veganes Frühstücks Café (Extravegant – alles aus Liebe) aufmachen wird.
Bedeutet für sie, dass sie alle ihre To Do’s noch ein bisschen schneller abarbeiten muss, damit sie beide Projekte gestemmt bekommt, aber es ist ihr Traum, und das gibt ihr die Kraft.
Auf die Neuigkeiten haben wir erst einmal zwei Flaschen Sekt getrunken.
Was ab Nummer 3 passierte, liegt bis heute im Nebel…

Eben gerade habe ich den besagten Song von Marteria laut mitgesungen, weil ich den Beat irgendwie mag und der Text mich zum Nachdenken angeregt hat.

„Älter werden“ entscheidet nicht darüber, ob man langweilig, spießig und frustriert wird.
Man selbst entscheidet darüber, und diese Entscheidung fällst Du völlig losgelöst von Deinem Alter.
Ich habe schon 18jährige Langweiler gesehen und 90jährige Partygranaten, die von Innen heller gestrahlt haben als der Strobo in der Technodisco.

Glücklich zu sein, Träume zu entwickeln, an ihnen festzuhalten, sie umzusetzen, die Bereitschaft zu haben, mal alle Vernunft fahren zu lassen, verrückte Dinge zu tun, sich gehen zu lassen, um sich im nächsten Moment wieder zu fangen und kontrollieren zu können, ist eine Sache die im Kopf passiert.
Zu der ich mich entscheide, zu der Jeder sich zu jeder Sekunde entscheiden kann.

Jeder Mensch sollte das Leben leben dürfen, auf das er stolz sein kann, und sollte den Mut und die Stärke besitzen, es zu jeder Zeit neu zu starten, wenn er keinen Stolz mehr empfinden kann.
Keine Forderung, keine Anleitung zum Glücklichsein, keine Doktrin – nur ein Wunsch für Alle, die dieser Wunsch im Herzen berührt.

Gibt es nun aber etwas, was unsere Generation von den allzeit munteren, durchgefeierten Teens & Twens unterscheidet?
Nein, nicht unsere Generation unterscheidet sich von einer Jüngeren, sondern Menschen unterscheiden sich von einander.

Wenn wir es richtig gemacht haben, auf dem Weg bis hier hin, verzetteln wir uns nicht mehr so häufig. Merken schneller, ob sich etwas richtig oder falsch anfühlt, trauen uns, und sind aufmerksam für uns und für Andere.
Dabei ist es egal, ob wir 18 oder 36 sind, wichtig ist, dass wir ein bewusstes Leben führen.
Unserer Selbst bewusst, bewusst für die richtige Mischung aus Leichtigkeit und Ernsthaftigkeit und jederzeit bewusst für das was um uns herum passiert.

Alle haben ’nen Job — ich hab Langeweile!

Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern
So ist das hier im Block, Tag ein Tag aus
Halt mir zwei Finger an den Kopf und mach:
Peng! Peng! Peng! Peng!

Alle spielen jetzt Golf, jeder fährt Passat
Keiner tätowiert sich Wu-Tang auf’n Arsch
Keiner tanzt mehr Moonwalk seit Michael Jackson starb
Alle auf Salat — keiner mehr verstrahlt
Jeder macht Diät — niemand isst mehr Fleisch
Niemand hat ’nen Trichter — alle saufen Wein
In der guten alten Zeit war’n alle Donnerstags schon breit
Ich sitz‘ auf’m Sofa, rauch das ganze Zeug allein
Alle sind jetzt „Troy“ niemand geht mehr raus
Keiner kämpft mehr bis zum „Endboss“ — alle geben auf
Jeder geht jetzt joggen, redet über seinen Bauch
Bevor die „Lila Wolken“ kommen sind alle längst zuhaus‘


Jeder glücklich Zweiter, keiner mehr Verlierer
Keiner geht mehr klauen, freundlich zum Kassierer
Alle ziehen aufs Land in die große Stadt nie wieder
Silbernes Besteck — Goldener Retriever
Alle mähen Rasen, putzen ihre Fenster
Jeder ist jetzt Zahnarzt — keiner ist mehr Gangster
Keiner fälscht mehr Stempel — alle gehen schwimmen
Jeder steht jetzt auf der Liste — niemand geht mehr hin
Keiner will mehr ballern, treffen um zu reden
Keiner macht mehr Malle, alle fahren nach Schweden
Jeder liebt die Bayern, vor’m Essen beten
Leben die kleinen Träume, verbrennen die großen Pläne

Randale und Krawall, die Zeiten sind längst vorbei
Wo sind meine Leute hin, de waren früher überall
Was all die anderen starten sieht wie ne Landung aus
Und die Welt sie dreht sich weiter nur nicht mehr ganz so laut
(Marteria, Kids)

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