Wenn jeder für sich selbst sorgt – ist für alle gesorgt!

Mai 26, 2014|Posted in: Artikel, Meistgelesene Artikel|By

Da läuten doch direkt alle Alarmglocken, oder? In einer Welt, in einer Zeit, in einer Generation, die daran krankt, dass man sich nicht mehr für seine Nächsten interessiert, geschweige denn sich um sie kümmert, in der Selbstverwirklichung das höchste Gut ist, da wir in unserem Land alles Lebensnotwendige zur Verfügung haben, ein solcher Aufruf?

Ja! Und zwar ein lauter und eindringlicher Aufruf, denn für mich ist das keine Aufforderung zum Egoismus, sondern die pure Nächstenliebe!

Ich sehe es nämlich genau umgekehrt! Wenn wir uns nicht um uns selbst kümmern, sondern das von Anderen erwarten, sind wir egoistisch und legen uns selbst auf die faule Haut.

Nehmen wir als Beispiel eine Liebesbeziehung.
Wieviel Prozent der Unstimmigkeiten in unseren Liebesbeziehungen entstehen dadurch, dass wir etwas von unseren Partnern einfordern und eventuell nicht bekommen?

Von „bring den Müll runter“, über „ermögliche mir mehr Luxus, bis hin zu „liebe mich mehr“, sind wir ständig damit beschäftigt kleinere und größere Forderungen zu stellen.
Manche werden erfüllt, die Meisten enden im Streit!

Forderungen an Andere zu stellen ist eine Form der Bedürftigkeit, die NICHT daraus resultiert, dass wir unser Selbst schützen wollen, sondern sie entsteht, weil wir uns selbst nicht genug zu bieten haben, und ein Anderer diese Lücke mit seinen Taten schließen soll.

Wenn wir aber – und das ist ein hartes und ewiges Stück Arbeit – dafür sorgen, dass wir alle unsere Bedürfnisse zunächst selbst befriedigen, geben wir unserem Partner ein unglaubliches Geschenk voller Liebe.
Wir geben ihm die absolute Freiheit und den Raum uns tatsächlich zu lieben, ohne dass unsere Partnerschaft nicht mehr wäre, als ein Konstrukt von verworrenen Erwartungen und Forderungen.
Wir machen uns selbst sichtbar, und wir sehen unseren Partner, als das was er ist, und nicht als das, was wir in ihm sehen wollen.
Sind wir ehrlich, wie oft stolpern wir in die Falle, aus anderen Menschen ein Produkt unserer Erwartungshaltung zu machen und nicht wirklich wahr haben oder akzeptieren zu wollen, wer uns wirklich gegenüber steht.

Liebe ist für mich – neben noch ganz vielen anderen Aspekten – die Fähigkeit die Essenz eines Menschen zu lieben und nicht auf das zu schauen, was er für mich tut, ob er meine Erwartungen erfüllt und schlussendlich, ob ich mein Ego von ihm gut betreut finde.

Funktioniert diese abstrakte Forderung aber im Alltag? Kann ich in meinen Beziehungen, egal ob privat oder beruflich, den Anspruch aufgeben, dass Andere für mich sorgen – in welcher Form auch immer?

Jeder, der das schon einmal probiert hat weiß, dass es schwierig ist. Klar brauchen wir meistens – rein physisch – niemanden in unserem Leben. Wir können alle lebensnotwendigen Tätigkeiten selbst durchführen.
Atmen, essen & trinken, schlafen und noch einiges mehr.
Wir können auch den Müll alleine runter bringen, mit dem Hund Gassi gehen, oder mit uns alleine Zeit verbringen und ins Kino gehen.
Aber genau das wollen wir ja meistens nicht. Wir wollen, dass er den Müll runter bringt, sie mit dem Hund Gassi geht oder wir gemeinsam einen schönen Kinoabend verbringen.
Im Idealfall läuft das auch so, und je weniger wir es einfordern, umso eher passiert es auch.

Man sollte sich nur tunlichst davor hüten es zu erwarten, denn hier geht die Crux los.
Sag es einmal, sag es zweimal, aber verbring nicht Dein Leben damit, Deinem Partner zu erklären er müsse den Müll runter tragen. Mach es selbst und spar Euch eine Menge Streitigkeiten.

Wenn Du das Gefühl hast, dass sie Dich nicht so liebt, wie Du es verdient hast, sag es einmal, sag es zweimal, aber dann überleg Dir, ob Du in der richtigen Beziehung bist. Sie wird Dich nicht mehr lieben, wenn Du es täglich einforderst!
Liebe Du Dich, vielleicht schließt sie sich ja plötzlich an?

Und wenn er nicht mit Dir ins Kino will, dann lass ihn doch! Möchtest Du irgendwo hin gehen, wo es Dir nicht gefällt? Nimm Deine Freundin mit!

Was ist aber mit den Forderungen, von denen man nicht abrücken kann, ohne seine Prinzipien zu verraten?
„Geh nicht fremd“ zum Beispiel.

Die sind legitim, und im Idealfall haben zwei Menschen ja eine gewisse Schnittmenge, was Moral, Werte, Ziele und Interessen angeht.
Aber nur weil man einen gemeinsamen Wertekodex hat, heißt das noch lange nicht, dass sich beide Partner auf ewig daran halten.
Ich kann es doch ohnehin nicht erzwingen, ich kann nur dafür sorgen, dass ich nicht meinen Teil zum Fremdgehen beitrage.
Spart Euch Eifersucht, Verdächtigungen und Geschrei – das hat noch Keinen abgehalten.
Bleibt aber vom Wesen her attraktiv, weil ihr souverän, selbstbewusst und ganz bei Euch seid, das mindert die Wahrscheinlichkeit, dass jemand anderes spannender sein könnte, als ihr es bereits seid.

Kümmert Euch um Euch, sorgt für Euch und denkt an Euch, dann werden sich Einige anschließen, denn dann geht von Euch eine besondere Faszination aus.
Und sucht Euch Menschen, die es ebenso mit sich selbst tun, denn dann könnt ihr eine bedingungslose Liebe anstreben.
Dann könnt ihr alles für einen anderen Menschen tun, ohne dass ihr die Rechnung aufmachen müsst, was tut er eigentlich für mich, und ihr könnt es auch umgekehrt annehmen, dass ein Anderer alles für Euch tut, weil ihr nicht sofort überlegt, was will er von mir dafür.

Und spätestens jetzt ist klar, dass diese Forderung unsere Welt nicht noch ein bisschen kälter machen würde, sondern vielleicht eher ein bisschen liebevoller und wärmer.
Und vielleicht ist das ja auch etwas, das wir von den fünf Hunden lernen können, denn ich vermute, sie leben miteinander ohne Erwartungen aneinander zu stellen :-)!

Quelle Zitat „Wenn jeder für sich selbst sorgt, ist für alle gesorgt“: unbekannt

11 Comments

  1. Severine Martens
    2. Juni 2014

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    Ein sehr schöner und sehr wichtiger Artikel! Dankeschön dafür …

    tlg
    Severine mit Luna und Milow

    • susanne
      3. Juni 2014

      Vielen Dank Severine. Freut mich, dass er Dir gefällt!
      Ganz lieben Gruß zurück, Susanne

  2. Thorsten Falk
    10. Juni 2014

    Leave a Reply

    Danke!

    • susanne
      10. Juni 2014

      Bitte lieber Thorsten, gerne doch ;-)!

  3. Eva
    17. Juni 2014

    Leave a Reply

    über einen Hinweis auf diesen Beitrag von Thorsten Falk an anderer Stelle bin ich dazu gekommen deinen/diesen Beitrag zu lesen.

    Danke für diese (guten) Worte. ich merke immer wieder, wenn ich etwas in dieser Art lese, dass ich noch viel an mir arbeiten muss/sollte, denn auch ich gehöre zu den Menschen, die zu viele Forderungen an andere/an den Partner stellen, die immer etwas von anderen erwarten, weil sie selbst ja auch Vieles tun.

    Danke für diesen (erneuten) Denkanstoß!

    Liebe Grüße
    Eva

    • susanne
      17. Juni 2014

      Liebe Eva,
      vielen Dank für Deine Nachricht!
      Ja, das ist ein ewiger Kampf, denn die andere Variante, von Anderen viel zu erwarten ist ja viel bequemer :-).
      Aber alles was bequem ist, ist eben oft auch verführerisch und birgt gewisse Gefahren…
      Also jeden Tag auf’s Neue dafür kämpfen, es besser als am Vortag zu machen, dann haben wir schon viel erreicht :-)!!!
      Liebe Grüße,
      Susanne

  4. Roland
    28. Juni 2014

    Leave a Reply

    Wow!
    dem ist nichts hinzuzufügen !
    Danke , an dieser Stelle auch, dass ich diesen Blog finden durfte !

  5. susanne
    28. Juni 2014

    Leave a Reply

    Roland, schön dass Du zu uns gefunden hast, und Dir unsere Artikel gefallen.
    Danke auch für alle Deine tollen Kommentare – nicht nur unter diesem Artikel!
    Hab noch viel Spaß beim Lesen!
    Liebe Grüße, Susanne

  6. Peter Schmitz
    9. Mai 2016

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    Schön, Susanne, wenn das für dich so funktioniert. Ich finde das eine traurige Art, durch das Leben zu gehen. Ich wünschte, man wäre nicht so alleine in der Welt. Ich habe Familie, ich habe Freunde und eine Beziehung habe ich auch. Und trotzdem bin ich alleine. Man ist eben nur für sich selbst da, sonst ist da niemand. Es ist schade.

    • susanne
      9. Mai 2016

      Hallo Peter,
      weißt Du, ich glaube auch hier kommt es auf den Blickwinkel an.
      Es geht mir ja nicht darum, Menschen dazu aufzufordern, sich nur um sich selbst zu kümmern. Da ist der Titel bewusst provokannt gewesen, auch wenn der Artikel in eine andere Richtung geht.
      Vielmehr ist die Idee, dass man echte Nähe zu Menschen herstellen kann, wenn man sie eben nicht zur Befriedigung egositischer Bedürfnisse benutzt.
      Ich glaube auch nicht, dass wir allein in der Welt sind, sondern dass wir alle in irgendeiner Form miteinander verbunden sind.
      Einsamkeit ist immer auch ein bisschen ein Spiegel dessen, wie sehr man selbst bereit ist sich zu öffnen.
      Manchmal ist die Herausforderung eben nicht den oder die tollsten Menschen zu finden, um unsere Leere zu füllen, sondern selbst so ein toller Mensch zu sein :-).
      Liebe Grüße für Dich, und Danke für Deinen Kommentar!
      Susanne

  7. Alex
    26. Januar 2017

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    Liebe Susanne,

    „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“.
    Die Voraussetzung für die Nächstenliebe ist – sich selbst zu mögen.

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