#Bitchmove – keine Rose! Affäre vs. Beziehung oder, wo komm ich her – wo geh ich hin?

Juni 10, 2014|Posted in: Artikel|By

Millionen verfolgten im Frühling 2014 die neue Staffel von „Der Bachelor“, denn nachdem der Dschungelkönig gekürt, die Models von Heidi nicht mehr wirklich im Fokus der Fernsehgemeinde, und die Assi‘s bei DSDS verheizt worden waren, brauchte man einen neuen wöchentlichen Fixpunkt am Fernsehhimmel.
Irgendwann war es dann soweit. Christian vergab seine letzte Rose. Es kam nicht überraschend!
Für Katja kam es zu einer vorrübergehenden Exklusivvereinbarung mit Christian. Wie sich zeigte mit einer Halbwertszeit von wenigen Wochen –  bis zum Serienspecial vom Serienspecial, als exklusiv bei RTL verkündet wurde, dass das zarte Feuer ihrer Leidenschaft leider schon verglüht sei.

Und wer ist damit richtig in den Arsch ge…..?
Genau, Angelina! Denn SIE hätte sich ja nun wirklich, aus total echten Gefühlen heraus, eine supi dupi tolle Rose von Christian gewünscht.

Vom Suchen und Finden der Liebe im deutschen Trash TV.
Der Bachelor 2014 – ich war dabei!

Ein echter Bitchmove von Christian, dass er bis zum letzten Date mit Ange-lone-a noch so mit ihr rumgemacht hat, dass die arme Maus wirklich dachte, sie wäre bald die Mutter aller Bachelor Kinder.

Und zack, sind die Seifenblasen zerplatzt.
Wie manchmal im echten Leben.

Wobei ich sagen muss, dass ich das vorallem im echten Leben für ein verrücktes Phänomen halte.
Menschen verbringen Zeit miteinander – viel Zeit.
Sie daten, küssen, halten sich an den Händen, haben Sex, bleiben über Nacht, frühstücken, und sagen dann aber: Nein, eine Beziehung haben wir nicht.

Ja was habt ihr denn dann?
Eine „Affäre mit Extras“? Die „Sex inklusive Alltag“ Affäre?

Sich zu einer Beziehung zu bekennen, scheint in Etwa so populär zu sein wie ein eitriges Furunkel am Hinterteil!
Es scheint, als käme die Allianz mit einem Partner, in manchen Kreisen, knapp hinter einem Pakt mit dem Teufel.

Es ist schwierig, denn man weiß zwar was man aufgibt, aber nicht was man bekommt, also dürfte es doch besser sein, sich nicht auf Veränderungen einzulassen.

„Wir lieben Veränderungen, aber wir können einfach nicht damit umgehen!“

Was in uns ist so kompliziert geworden, dass wir uns nicht mehr binden können und wollen.
Warum legen wir nicht einfach los, wenn wir jemanden gut finden. Warum machen wir aus diesem doch so reizvollen zwischenmenschlichen Pas de deux der Beziehungsanbahnung ein Politikum, das dem Abschluss des Warschauer Paktes gleicht.

Glauben wir, dass die nächste Beziehung nur die sein darf, die für alle Ewigkeit halten muss? Dass wir uns die Leichtigkeit nicht mehr erlauben können, einfach mal loszulegen und uns auszuprobieren?
Müssen wir vorher jemanden erst mehrere Monate als „Affäre mit Alltagstendenzen“ testen, bevor wir ihn offiziell in den Status des Partners erheben?
Hat unser Gehirn und unser Kalkül plötzlich soviel mehr Einfluss auf unsere Taten, als unser Herz?
Haben wir es bald geschafft, alles kaputt zu denken und zu kalkulieren?
Und ist das eigentlich wirklich alles so kompliziert, oder machen wir es nur so kompliziert, um nach dem A nicht auch das B sagen zu müssen?

Ja, ich weiß – wir haben alle schon ganz viele Erfahrungen gemacht, sind versetzt, verletzt, verarscht worden, und sind deswegen jetzt echt vorsichtig, damit wir uns nicht die Finger verbrennen.

Geschenkt!

Vorallem aber sind wir bequem geworden. Wir wollen unsere Gewohnheiten nicht ändern, wir wollen keine Kompromisse machen, wir wollen uns nicht einlassen, weil das bedeutet, dass wir Dinge verändern müssten.

Eine Bande ganz schöner Drückeberger und Feiglinge sind wir geworden, die zwar vieles von dem genießen wollen, was eine Beziehung mit sich bringt, aber nicht das Standing haben, das ganze Paket zu kaufen.

Ja ja, schwere Kindheit, Scheidungskind, mehrfach sitzen gelassen worden, betrogen – und was nicht sonst noch alles.
Traurig! Keine Frage! Ich kenne vieles davon auch nicht nur vom Hörensagen.
Aber dann lassen wir es doch sein mit der Bindung und der Nähe.
Nichts spricht gegen eine hübsche Affäre.
Sex und Rotwein, und dann ab ins Bett –  aber jeder in seins.

Wenn mich das Leben meines Sexualpartners nicht weiter interessiert, dann mach ich mich da auch nicht breit.

Es ist die Zerrissenheit in uns, die uns so kompliziert werden lässt. Auf der einen Seite wollen wir unsere Freiheit und Unabhängigkeit, und auf der anderen Seite wollen wir ab und an doch auch ein bisschen Nähe, Geborgenheit und Zuneigung.

Wir versuchen die Geborgenheit einer Beziehung durch eine Affäre zu substituieren. Aber was dabei herauskommt, hat von beidem seinen urtypischen Reiz verloren, und ist nichts Halbes und nichts Ganzen mehr.
Ich habe eine Affäre, ohne die völlige Unverbindlichkeit und Vogelfreiheit eben dieser, und ich habe eine Beziehung ohne die wirkliche Verlässlichkeit und Geborgenheit eben jener.

Ich will ja nicht unken, aber mir erscheint das ein ziemlich blöder Deal, der nicht wirklich zielführend ist.

Lasst uns Entscheidungen treffen! Lasst uns über Liebe sprechen und mit den Spielchen aufhören, bei denen es nie einen Gewinner gibt.
Probieren wir die Dinge aus, beenden können wir sie immer noch, wenn sie nicht funktionieren!
Denken wir nicht immer alles kaputt – sondern wenn überhaupt – machen wir es durch Taten kaputt.
Dann müssen wir uns wenigstens nicht die Frage stellen, was wäre wenn.
Verschwenden wir keine Zeit! Das Leben besticht durch die Momente schöner Erinnerungen und nicht schöner Ideen!

Seien wir konsequent! Beziehung, Affäre, einsamer Wolf. Alles ok, aber eine Mischung aus Allem ist ein verqueres Konzept!
Lasst uns miteinander reden, denn im Bekenntnis zueinander ergeben sich 1.000 Wege, die man gemeinsam gehen kann!

Wenn ihr jemanden gefunden habt, mit dem ihr gerne eure Zeit verbringt, mit dem ihr guten Sex und gute Gespräche habt, neben dem ihr gut einschlafen könnt, für dessen Alltag ihr Euch interessiert, dessen Wohlergehen Euch am Herzen liegt, und dessen verknautschtes Gesicht ihr auch am nächsten Morgen noch ganz charmant findet und ihm gerne einen Kaffee ans Bett bringt, dann freut Euch, denn dann seid ihr in einer Partnerschaft.

Klar sagen jetzt die Einen, um Himmels Willen – NEIN schreien jetzt die Anderen…

Und wenn ihr Euch jetzt als nächstes fragt, ob ihr diesen Menschen denn auch liebt, dann frage ich euch, ob man tatsächlich nun um diese Frage herum tingeln muss, wie um den heißen Brei, oder ob man einfach sagen kann:

„Heute habe ich eine Rose für Dich, denn ich habe mich in Dich verliebt!“

Danke Bachelor 2014, dass Du mir mal wieder gezeigt hast, dass die Zeiten der Spielchen, des Rätselratens, des Abcheckens und des ständigen Hinterfragens vorbei sein sollten.
Ich bin zu alt für den Scheiß!

Wer noch?

9 Comments

  1. Anja
    10. Juni 2014

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    Ich auch!
    Da sind sie wieder die Cherry-Picker, die ich so mag.
    A, aber nicht B sagen… Nähe nur suchen oder geben wollen, wenn es einem selbst gerade in den Kram passt, wenn man sich gerade danach fühlt.
    Wo sind die Kompromisse, die man auch gerne mal zähneknirschend eingeht oder über die man auch mal streiten darf!
    Feiglinge! Jawohl!!! Das sind wir! Also, die anderen… Ich natürlich nicht 😉
    Denn ich springe ins kalte Wasser, wenn mein Herz das OK dazu gibt…
    Nicht alles zerreden, nicht alles zerdenken, einfach mal mehr auf Intuition und Gefühle achten und den Kopf ab und an auch einfach mal die Fresse halten lassen! Amen

    • susanne
      11. Juni 2014

      …“Den Kopf die Fresse halten lassen…“
      Ich habe dazu tausend Bilder im Kopf, wie das genau aussehen könnte. 2/3 davon würden sich für ein Comic eignen ;-)!!!
      Aber es ist eine schöne Herausforderung, der wir uns hin und wieder mal stellen sollten!
      Danke Anja :-)!

  2. Astrid
    11. Juni 2014

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    Ich habe es schon immer gesagt: „Die Welt ist ganz einfach, wenn wir uns nur endlich mal trauen, das zu sagen, was wir wirklich denken“! Oder frei nach Goethe: „Und wenn ich Dich lieb habe, was geht’s Dich an?“ Einfach mal sagen, wenn es so ist und ob ich dann zurück geliebt werde oder nicht ändert an meiner Liebe nicht das Geringste, oder?

    Nur den Abschnitt mit dem einsamen Wolf sehe ich ein wenig anders. Ich denke, ich kann in einer Beziehung sehr gut alles haben und sein: Beziehung, einsamer Wolf und Affäre – das ist dann kein „verqueres Konzept“ sondern lässt mich sein wie ich bin, alles zu seiner Zeit.

    • susanne
      11. Juni 2014

      Ja Astrid, haben kann man das schon :-)!
      ABER auch das muss man ja erstmal wollen. Und man muss erstmal in der Lage sein, seine eigenen Bedürfnisse zu erforschen, um zu wissen, was man (wann) braucht.

      Wenn ich von einem verqueren Konzept spreche, dann meine ich die Menschen, die sich nicht entscheiden können, wie sie ihr Leben denn nun verbringen wollen. Als einsamer Wolf, ungebunden – nur mit lockeren Affären, oder als Familienmensch in einer festen Bindung.
      Oder eben für sich herauszufinden, dass sie von allem etwas in sich tragen und es irgendwie in Einklang / Harmonie mit sich und dem Partner bringen müssen.

      Aber statt diesen Weg zu gehen, springen sie oft wirr hin und her und fühlen sich nirgendwo zu Hause und kommen nicht zur Ruhe.
      Das empfinde ich dann als verquer.

      Und die brauchen dann erst einmal eine Grubenlampe, die ihnen den Weg leuchtet – stimmts ;-)!!!

  3. Astrid
    11. Juni 2014

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    Genau, habe gerade ein kleines Märchen dazu geschrieben:-)

    • susanne
      12. Juni 2014

      Und wann veröffentlichen wir das :-)???

  4. Roland
    28. Juni 2014

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    Sich entscheiden und DAS dann auch leben, bringt uns in Kontakt mit dem, was jetzt grade ansteht.

    neulich gelesen:
    Wer sich alle Türen offen lassen will steht meist allein auf dem Flur!

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