Und was kommt jetzt?

Juli 24, 2014|Posted in: Artikel, Du Tarzan - Ich Jane|By

Mitte 30, weiblich, ledig, kinderlos und auf der Suche?
Wie fühlt es sich an Single zu sein? Mit 18 bestimmt anders als mit Mitte 30.
Mit 18 hat man keine Eile, denn man meint, noch eine Unendlichkeit läge vor einem.
Mit Mitte bis Ende dreißig sieht das schon anders aus – vorallem als Frau.

Wir spüren, dass es irgendwie und irgendwo eng zu werden scheint. Es fühlt sich an, als ob uns die Zeit davon liefe, und wir sehen uns gezwungen nach Antworten auf ganz individuelle Fragen zu suchen.

Das Singeldasein hat unendlich viele Facetten. Manche sind wundervoll erleichternd und man kann sich hervorragend in ihnen einrichten, andere haben ein ziemlich hässliches Gesicht.
Ich kann von mir sagen, dass ich in meinen Singlezeiten immer eine viel intensivere Beziehung zu mir selbst habe, da mich nichts und niemand ablenkt.
Eine intensive Beschäftigung mit sich selbst zieht natürlich oft auch nach sich, dass man mancher Frage und mancher Suche nicht mehr ausweichen kann.

Die erste Frage könnte sein, wie wir es eigentlich mit der Fortpflanzung halten wollen. Dieser Punkt allein könnte seitenlang diskutiert werden, allerdings kommen wir oft gar nicht so weit, weil sich direkt die nächste Frage einmischt, nämlich wo man denn im Fall der Fälle den passenden Partner hernehmen könnte, und diese Frage wiederum wird schon von der Nächsten gejagt, nämlich der Frage, was für ein grundsätzliches Lebensmodell man eigentlich anstrebt.
Fühlt man sich vielleicht so wohl, dass man das Singledasein gar nicht mehr eintauschen möchte, oder spürt man eigentlich nur quälende Einsamkeit, der man schnellstmöglich entfliehen sollte.

Ein zentrales Thema für Frauen meines Alters ist diese verfluchte Uhr, die schon langsam nicht mehr die Größe einer Armbanduhr, sondern eher die einer Bahnhofsuhr hat und irgendwo im Hintergrund tickt. Bei manchen lauter, bei anderen leiser, aber egal in welcher Lautstärke sie tickt, man muss sich mit der Frage einer möglichen Mutterschaft auseinander setzen.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die kleinen Kriege, die sich diesbezüglich im eigenen Inneren abspielen, sind mit Sicherheit so individuell wie die Menschen die sie führen.

Manche – egal ob Mann oder Frau – wissen eigentlich ganz genau, dass sie Kinder wollen, hadern aber mit der Situation, nicht den richtigen Partner zu haben.

Andere, weil sie alleine sind, und auch nicht mit Sicherheit wissen, ob dieser Zustand sich noch rechtzeitig ändern wird, haben sich in den vorherigen Jahren ihres Singledaseins erfolgreich eingeredet, dass sie eigentlich lieber Karriere oder ihr eigenes Ding machen wollen, Babies im Allgemeinen ziemlich anstrengend finden und Kinder grundsätzlich auch nicht so gut in ihr Leben hineinpassen. Wenn sie dann aber auf die Zielgrade der Fruchtbarkeit einbiegen, bröckelt dieses Gebilde doch allzu häufig und bringt die innere Gelassenheit in arge Bedrängnis.

Und wieder andere durchleben einen Prozess, an dessen Ende sie feststellen, dass sie tatsächlich keine Kinder wollen, und sich, manchmal durchaus auf schmerzhafte Art und Weise, von einem festgelegten Bild, das sie von ihrem Leben hatten, verabschieden müssen. Wenn das Endergebnis für sie selbst auch erleichternd sein mag, so ist der Weg dorthin aber doch häufig schwer zu gehen.

Diese grundsätzlichen Gedanken, die sich verschärft irgendwo zwischen dreißig und vierzig abspielen, sind noch nicht unbedingt singlespezifisch. Familienplanung spielt sich natürlich in erster Linie in Beziehungen ab, da hat man allerdings einen Sparringspartner, mit dem man sich darüber austauschen kann.
Singles müssen das mit sich selbst ausmachen, und dass ist ein hartes Streitgespräch mit dem eigenen Ich.
Und weil in einem Singleleben eben keiner da ist, der sagt, „klar, lass es uns tun“, oder „nein auf gar keinen Fall“, prallen die eigenen Gedanken dazu immer wieder wie ein Squashball gegen die inneren Mauern, und es kann eine unendlich lange Zeit vergehen, bis man vielleicht zu einer Entscheidung findet und sein Tun danach ausrichtet. Und dieses gedankliche Ping Pong Spiel kann unfassbar zermürbend sein.
Denn immer wieder tappt man in die gedankliche Falle zu denken,  dass man selbst ja schon längst Kinder hätte, wenn das Schicksal einem endlich den richtigen Partner vor die Füße werfen würde.

Ist das so? Ich kann diese Frage nicht eindeutig und vorallem nicht allgemeingültig beantworten, aber ein bisschen glaube ich für mich selbst daran, dass man die Dinge, die man wirklich aus tiefstem Herzen möchte, auch umsetzt. Im Zweifelsfall auch alleine, oder man wäre vielleicht mit dem festen Wunsch Kinder zu haben, in der Partnerwahl anders selektiv, so dass auch mal Einer dabei wäre, mit dem so etwas grundsätzlich denkbar sein könnte.
Vielleicht wählt man dann plötzlich NICE GUY, statt BAD BOY?

Eine Singlefrau muss sich inmitten all dieser Spekulationen aber nun entscheiden, ob sie zum Einen überhaupt einen ausgeprägten Kinderwunsch hat. Wenn dem so sein sollte, muss sie sich zum Anderen fragen, ob sie bereit wäre, diesen Wunsch vom rechtzeitigen Auftauchen des passenden Partners abhängig zu machen.
Wenn er nicht kommt, bleibt man kinderlos. Kann man das akzeptieren, oder wäre man im Zweifel auch bereit ein Kind alleine groß zu ziehen.
Wie lange kann und will man diese grundsätzliche Entscheidung noch vertagen, bevor sie vielleicht das Schicksal für einen trifft.

Oft versuchen wir sogar sie nicht treffen zu müssen, indem wir daran festhalten, dass das Auftauchen des richtigen Partners alle Probleme lösen würde.

Mit der Partnerwahl sind wir aber, wenn wir uns über das Singledasein Gedanken machen, bei einem zweiten sehr zentralen Thema.

Irgendwie wachsen die ja leider nicht mehr auf Bäumen.

Früher war das anders, zumindest habe ich es in meiner Erinnerung so glorifiziert.
Wenn man zwischen Teenie und Twen Single war, hat man ständig irgendwelche Typen getroffen und für niedlich befunden. Man hatte meistens zügig Schmetterlinge im Bauch. Verabredete sich und ging ins Kino, teilte sich eine Popcorn Tüte – eigentlich nur, damit die Finger sich beim Reingreifen berühren konnten – und ließ sich danach nach Hause bringen. Wie viele dieser wahnsinnig magischen Momente erlebte man, wenn man sprachlos, weil herzklopfend, vor der Tür stand und diese zuckersüßen Sekunden genoss, in denen – wie zufällig – zwei Köpfe immer näher aufeinander zusteuerten, damit die Lippen sich endlich berühren konnten.

Das war früher.
Heute ist die Luft dünner. Die meisten guten Typen sind verheiratet (was einige nicht abhält), noch nicht wieder geschieden oder aus anderen Gründen eher schwer vermittelbar.

Irgendwo müssen die Singles Mitte dreißig doch zu finden sein, sagt man sich, und meldet sich zum Internetdating an.

Ich habe mal mit einem Arzt bei einem ersten Date gesessen, der mich zum Einstieg fragte, wie ich zum Thema Familie stünde. Aus seinen Gesprächsbeiträgen ließ sich einfach schlussfolgern, dass er seine Gene lieber gestern als heute der Nachwelt hinterlassen hätte.
Vor dem Dessert berichtete er mir dann, dass er in Amerika einen allumfassenden Gentest gemacht habe, aus purer medizinischer Neugier natürlich, dessen Ergebnis für ihn sehr positiv ausfiel. Zwischen 0 bis maximal 5% Wahrscheinlichkeit an Karzinomen, Demenz oder Ähnlichem zu erkranken.
Meine Überraschung steigerte sich ins Unermessliche, als sich mit der Ankunft des Desserts dann andeutete, dass er absolut gewillt war, mir nun den finalen Stoß in die richtige Richtung zu versetzten, indem er das Gespräch unauffällig auf sein Gehalt lenkte. Ich versuchte zu unterbrechen, in dem ich vorsichtig einwarf, dass mich das ja nun wirklich nichts anginge, aber mein Protest versandete. Er legte mir auch noch seine Vermögensverhältnisse dar.

Subtiles Eigenmarketing sieht anders aus, dachte ich mir, und hatte auch das Gefühl, dass es hier weniger um mich ging, sondern für ihn vorallem darum seinen Lebensplan in die Tat umzusetzen, egal mit wem.
Vielleicht war er mir in Wirklichkeit jedoch nur um Längen voraus, denn er wusste ziemlich exakt was er wollte.
Mich verlor er in dem Moment, und nach dem ich meinen Espresso ausgetrunken hatte verabschiedete ich mich artig.

Und dann gab es da noch das Date mit dem Typen, der sich bei seiner eigenen Körpergröße um ca. 20 Zentimeter verschätzt haben musste.
Meine Überraschung und mein gleichzeitiges Unbehagen waren sehr groß, als ich den Spaziergang zum Restaurant neben einem ca. 1,60 Meter kleinem Mann, zu dem ich mich im Gespräch fast herunterzubeugen hatte, hinter mich bringen musste. Konsequenterweise hätte ich den Abend sofort nach dem ersten Hallo beenden müssen, aber dazu hatte ich irgendwie nicht die Chuzpe.

Einer hat gestottert, einer war definitiv nicht heterosexuell, viele wollten weniger Konversation, dafür mehr Kopulation, manche waren ganz ok, aber keiner war ein absoluter Knaller. Nicht ein einziges Mal hatte ich wenigstens Minischmetterlinge im Bauch.

Und zwangsläufig fragt man sich, ob diese Partnerbörsen, egal welcher Couleur, nur die Sammelbecken für die Übriggebliebenen sind, und ob man selbst wohl auch dazu gehört.
(Der Ordnung halber sei erwähnt, dass ich kein ungerechtes und pauschales Urteil über Singlebörsen fällen möchte, erst heute hörte ich von einer Freundin, dass sie einen tollen Typen über das Internet kennen gelernt habe!)

Es ist nicht leicht weiblich und Single Mitte oder Ende 30 zu sein, aber jeder entscheidet selbst, wie schwer er das Paket sein lässt.
Ich kenne Frauen in meinem Umfeld, die wahnsinnig einsam sind und total darunter leiden, keinen Partner zu haben und somit in Sachen Reproduktion noch in der Warteschlange zu stehen.
Dann kenne ich welche, die durch ein hartes Tal der Tränen gegangen sind, um für sich selbst zu der Erkenntnis zu gelangen, dass ja vielleicht Gott und die Welt von ihnen erwarte, dass sie sich in ein klassisches Muster fügen, dass sie aber darauf überhaupt keine Lust haben.
Ich glaube, es ist für eine Frau manchmal genauso schwer zu sagen: NEIN, ich möchte keine Kinder, als zuzugeben, dass sie gerne Kinder hätten, das Schicksaal ihr aber bislang nicht ganz wohlgesonnen war.
Und dann gibt es noch die, die nicht so richtig wissen, wie das in naher Zukunft eigentlich aussehen soll. Sie fühlen sie als Single wohl, merken aber, dass ihnen die Zeit davon läuft, eine aktive Entscheidung zu treffen.
Sie fragen sich, wie groß der Kinderwunsch ist, und was sie dafür bereit sind auf sich zu nehmen.
Sie spielen noch Ping Pong im Kopf und hoffen ganz fest, dass das Wunder noch passiert, dass sie diese Entscheidung nicht unromantisch und alleine treffen müssen.

Und mal wieder hängt so viel von Mr. Right ab, von dem uns keiner sagen kann, ob er jemals auftaucht, und wie langer er dann bleibt.

Ob es klug ist, sich in seinen Entscheidungen davon abhängig zu machen, dass eine Person, die noch nicht einmal in Sichtweite ist, diese für uns übernimmt, ist fragwürdig.
Was ist also die Alternative?
Wir sollten uns an diesem Punkt in unserem Leben mit den Optionen die wir haben aktiv auseinandersetzen und sollten nach einer Lösung suchen, mit der wir leben können.

Vertagen ist ein schlechtes Geschäft, denn ich glaube nichts ist schlimmer als sich mit 50 zu grämen keine Chance mehr zu haben und vielleicht irgendwo falsch abgebogen zu sein.

Versteht mich nicht falsch. Ich bin altmodisch und glaube, dass Kinder natürlich am besten in eine intakte und glückliche Beziehung geboren werden sollten, aber ich höre die Uhr auch ab und an, und kann heute Frauen gut verstehen, die nach Wegen suchen, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen, auch wenn Mr. Right weit und breit nicht in Sicht ist.
Steht dazu wenn es euer Wunsch ist, und versucht ihn euch zu ermöglichen. Es ist nur menschlich.

Und allen jüngeren Frauen kann ich sagen, stellt euch darauf ein, dass eure Gelassenheit in diesem Punkt eines Tages schlagartig verschwunden sein wird.
Erst ist es ein leises und ungutes Gefühl, das sich eurer Gedanken ganz unauffällig bemächtigt und irgendwann wird es vielleicht sogar zu einer ausgewachsenen Torschlusspanik, denn wir alle wissen, dass die Entscheidung Kinder zu bekommen (oder nicht) mit Sicherheit einer der Wichtigsten in unserem Leben sein wird.

Seid vorbereitet und seid euch sicher, ihr seid damit nicht allein.

Viel Spaß beim Kindermachen ;-)!

Eure Susanne

 

2 Comments

  1. Lilli
    29. Juli 2014

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    Ich bin 53 und habe vier Kinder.Ordnungemäß nach Übereinkunft mit dem mir bereits seit fünf Jahren angetrauten Ehemann bekam ich das erste Kind mit 26, nach abgeschlossener Berufsausbildung bzw Studium.Das letzte Kind kam mit 38.Und ich warne:Wenn ein Kind erst mit Ende 30 kommt, ist Schluß mit der Selbständigkeit, dem selbstbestimmten Leben, den freien und spontanen Entscheidungen und zwar bis kurz vor dem Rentenalter. Insbesondere wenn man sich in dieses Abenteuer alleinerziehend begibt.Alles wird schwieriger, denn was niemand erzählt ist, dass Muttersein nicht nur eitel Freude und Sonnenschein ist.Und ein Kind ist kein Partnerersatz, sondern erfordert die ganze Aufmerksamkeit als Mutter und Vater.
    Dies alleine zu leisten erfordert viel Kraft, teilweise bis an die Grenzen der Belastbarkeit, denn es gibt sie, die Schreikinder, die kranken Kinder, möglicherweise auch die gehandycapten Kinder.Merke:Nirgendwo wird soviel gelogen, wie in diesen Bereich, denn alle haben nur wunderbare, pflegeleichte, der Entwicklung weit voraus eilende Wunderkinder.Die Wahrheit über Nöte und Sorgen gibt kaum jemand preis.Und so sind Alleinerziehende auch in diesem Punkt oft sehr verlassen und einsam.Dise Aufgabe gemeinsam zu stemmen, sich als Paar gemeinsam dem Abenteuer Elternschaft zu stellen,kann eine schöne und erfüllende Erfahrung sein, aber ich würde mich dem alleine mit Ende 30 nicht stellen wollen.

  2. susanne
    31. Juli 2014

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    Hallo Lilli, vielen Dank für Deinen Kommentar mit dem Du sicherlich nicht unrecht hast.
    Dennoch ist bei manchen Frauen der Kinderwunsch manchmal größer als der logische Verstand, und hinterher kann man selten sagen, dass es ein Fehler gewesen wäre, denn sie sind ja trotz Überlastung immer sehr glücklich mit ihren Kindern.
    Aber spannend finde ich auch Deinen Punkt, dass immer nur über die schönen Seiten von Eltern- oder Mutterschaft berichtet wird.
    Das ist wohl wahr, und ich finde es immer herrlich ehrlich und erfrischend, wenn eine meiner Mütter Freundinnen mal ganz ehrlich erzählt wie der Hase so zu Hause läuft, und wie oft sie findet, dass der Mond auch ein schöner Aufenthaltsort für die Kinder wäre :-)!!!
    Lieben Gruß, Susanne

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