Warum wir niemals aufhören sollten uns etwas zu wünschen!

August 11, 2015|Posted in: Artikel|By

Sternschnuppen haben etwas Magisches, denn wenn wir eine entdecken, können wir uns etwas wünschen!
Grade jetzt in den nächsten Tagen sollen ganz viele von ihnen sichtbar werden.
Was kann – was sollte – man sich wünschen, und gibt es außer Aberglaube irgendeinen Hinweis darauf, dass diesen Wünsche eine besondere Kraft inne wohnt und sie in Erfüllung gehen könnten?
Ich glaube, es ist Zeit einmal darüber nachzudenken, was eigentlich an der Aussage dran sein könnte, dass wir uns die Dinge, die wir wirklich wollen nur fest genug vorstellen und wünschen müssen, dann werden sie schon eintreten.

Manch einer stellt sich seit Jahren vor im Lotto zu gewinnen, oder Mrs. / Mr. Right zu treffen, aber beide Ereignisse weigern sich beharrlich einfach so einzutreten – ist das Wünschen auch noch so stark!

Und wie oft haben wir alle schon mal den klugen Ratschlag gehört: „Du musst nur daran glauben und Dein Ziel vor Augen haben, dann erreichst Du das auch…!“

Im Allgemeinen versteckt sich hinter der Aussage die Annahme, dass – wenn wir ein Ziel visualisieren – wir unser Verhalten unbewusst anpassen, so dass wir die Umstände begünstigen könnten, um das Ziel auch zu erreichen.

Im Fall des Lottogewinns könnte man sagen, dass die Wahrscheinlichkeit höher ist Lotto König zu werden, wenn man es sich total intensiv vorstellt, sich erträumt was man mit dem Geld machen würde, damit man so beflügelt endlich mal zum Kiosk geht, und sich (dem Druck beugend) das erste Mal ein Los kauft.

Ziemlich ernüchternd, oder.
Die Chancen das Ziel zu erreichen haben sich somit zwar von 0% auf 1 : 140 Millionen erhöht, aber – sind wir realistisch – hier hilft das Wünschen nicht, auch wenn man sein Verhalten entsprechend verändert und endlich den Tippschein kauft.

Ob Wünschen bei der Suche nach Mrs. oder Mr. Right helfen kann?
Bestimmt, denn hier ist die Quote den oder die Richtige zu finden immerhin doch höher als 1: 140 Millionen, trotzdem kommen wir nicht umhin die Theorie des „Wünschen versetzt Berge“ anzuzweifeln.

So groß meine Zweifel auf der einen Seite sind, so sehr glaube ich aber dennoch, dass wir für unsere Entwicklung, für die Erreichung unserer Ziele, für die Verwirklichung unserer Träume nichts besseres tun können, als auf unsere Wünsche zu hören und unsere Träume ernst zu nehmen.

Aber hier liegt für mich ein großer Knackpunkt.

Von welcher Seite zäume ich das Pferd auf?

Ist ein „echter“ Wunsch die Folge einer kognitiven Wahrnehmung und Entscheidung, d.h. wir gehen durch die Welt, schauen uns um, beobachten und überlegen uns: „Oh, das hätte ich auch sehr gerne, das wünsche ich mir jetzt ganz fest und dann wird es eintreten!“?

Oder sollte der Wunsch von wo ganz anders her kommen? Nicht unbedingt daraus, dass wir etwas beobachten und es dann haben wollen, sondern aus der Tiefe unseres Herzens.

Was damit gemeint ist?

Ich glaube es gibt Wünsche, die wir ganz bewusst in unserem Leben platzieren (kognitive Entscheidung, wie z.B.: wenn ich ein Eigenheim kaufe oder baue, bin ich für das Alter abgesichert; wenn ich 10 KG abnehme, bin ich glücklicher; wenn ich Erster im Tennismatch werde, bekomme ich Lob und Anerkennung; wenn ich besser als meine Kollegen bin, kann ich meine Karriere vorantreiben; beruflicher Erfolg sichert mir ein gutes Einkommen und damit Status und Sicherheit etc.) und dann versuchen sie zu erreichen.
Teilweise hilft uns das Wünschen und Visualisieren hier bestimmt auch, weil wir Ehrgeiz und Biss entwickeln werden, weil wir es nach dem „Try harder“ (Versuche es härter / intensiver) Prinzip versuchen und so auch irgendwann und irgendwie ans Ziel kommen werden.

Aber das sind nicht diese magischen Wünsche, die ganz tief aus uns heraus entstehen.

Diese Wünsche haben nämlich eine besondere Fähigkeit.
Sie zeigen uns, zu was wir in der Lage sind, denn sie sind „Vorboten dessen, was wir zu leisten im Stande sein werden“.

„Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen. Vorboten dessen, was wir zu leisten im Stande sein werden. Was wir können und möchten stellt sich unserer Einbildungskraft ausser uns und in der Zukunft dar; wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen besitzen.
So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.“
Johann Wolfgang von Goethe

Die für mich wichtigste Frage, die sich daraus ergibt ist die, was mit uns passiert, wenn wir die Fähigkeit, unsere Wünsche zu bemerken, verlieren oder darüber hinweg gehen und sie ignorieren?

Könnte sich unter anderem darin ein erfülltes von einem nur existierten Leben unterscheiden?

Wenn wir, wie Goethe schreibt, eine Sehnsucht in uns tragen, das im Leben zu erreichen, was wir uns erträumen können, dann wird das Ignorieren und „Nichterfüllen“ dieser Sehnsucht uns in einem Zustand zurück lassen, der dem einer nicht erfüllten Liebe gleicht.

Wir kommen nie an, wir sind nie ganz in dem was wir sein könnten, wir stellen immer nur den „existenten Teil“ dar, dem der „mögliche Teil“ fehlt, weil man sich nicht für die Komplettierung beider Teile stark macht.

Wir, die wir uns nicht mit existenziellen Fragen beschäftigen müssen, sondern in dem Luxus leben, dass unsere Grundbedürfnisse gestillt sind, können uns mit Dingen wie Selbstverwirklichung auseinander setzen.
Ein wahnsinniges Privileg, dessen man sich immer mal wieder bewusst werden muss!

Um diese Selbstverwirklichung zu erreichen, müssen wir uns selbst aufmerksam zuhören. Wir sollten unsere Wünsche und Träume wahrnehmen und ergründen können, um uns selbst besser kennen zu lernen, um herauszufinden, was wir leisten könnten und leisten möchten.

Unsere Zeit, und wir selbst, sind nicht grade freundlich mit uns, wenn es um das Erspüren dessen geht, was wir in uns tragen. Immer kommt uns etwas in die Quere, was davon ablenkt uns zuzuhören.
Wir haben kaum noch Gelegenheit in den Tag hinein zu träumen, wir treffen Entscheidungen viel lieber mit unserem Kopf, wir verdrängen unser Bauchgefühl, wir haben keine Zeit mehr, um uns zu langweilen und uns forttragen zu lassen und selbst wenn sich mal Gelegenheit zur Langeweile böte, nehmen wir unsere Smartphones zur Hand und füllen die positive Leere damit.
Denn das Langeweile etwas Unangenehmes sein muss, ist eine reine Interpretationsfrage, schließlich ist es einfach nur eine lange Weile, also Zeit ohne Füllung.
Und die können und wollen wir irgendwie nicht mehr ertragen. Ständig sorgen wir für „Füllung“ der langen Weile, meistens mit wenig sinnvollen Dingen.

All das macht unseren Träumen und Wünschen aber den Garaus, denn sie finden keinen Ort und keine Zeit mehr, um sich in uns auszubreiten. Die leere und lange Weile, in der sie sich einrichten könnten, existiert kaum noch.

Wann habt ihr das letzte Mal irgendwo gesessen und nichts getan?
Wann habt ihr einen Spaziergang gemacht, Euch dabei nicht unterhalten, nicht telefoniert, keine SMS geschrieben?
Wann habt ihr das letzte Mal auf einen Fluss, auf das Meer oder auf einen Berg geschaut und einfach gewartet was passiert?

Jeder Gedanke, jeder Traum braucht Zeit und Freiheit, um sich selbst entwickeln zu können.
Mit der Art des Schnelllebigen, immer Beschäftigten, immer Abgelenkten verdrängen wir unsere Träume und halten damit das Potential dessen, was wir erreichen könnten unbewusst klein, und uns vielleicht unzufriedener, als wir sein müssten, hätten wir eine Chance unseren inneren Stimmen zuzuhören.

Wenn wir also unsere Träume und Wünsche Wirklichkeit werden lassen wollen, müssen wir als erstes wieder lernen auf das was in uns verborgen ist zu hören.
Nicht nur, um keinen Burn out zu bekommen und um nicht völlig überarbeitet zu sein, ist es wichtig sich auch in Ruhe, Langeweile und Einsamkeit wohl zu fühlen, sondern vor allem weil wir uns selbst nur an diesen Orten begegnen können.

Und mit uns verbringen wir in erster Linie unser ganzes Leben. Wir sollten in der Begegnung mit uns also möglichst keinen Fremden vor uns haben, denn dann leben wir ein sehr zerrissenes Leben, in dem wir uns, mit uns selbst unwohl fühlen, so wie mit dem falschen Partner an unserer Seite.

Wir sollten mit uns ein harmonisches Ganzes bilden, also lernt den Teil von Euch, der in Euch – in der Stille – wohnt, kennen und folgt seinen Wünschen und Träumen.

Sich zeitlebens abzulenken und dagegen zu sträuben nach innen zu horchen, wird ein sehr zerrissenes Gefühl hervorbringen, aus dem keine Kraft erwachsen kann, denn unsere Träume und Wünsche, die uns stärken können, verlieren ihre Heimat und wir verlieren somit sie als unsere größten Mentoren.

Hört also nie auf, auf Eure Wünsche zu hören und zu wünschen was das Zeug hält.
Schlaft mal eine Nacht draußen und findet für jede Sternschnuppe einen Wunsch wieder!

Susanne Henkel
www.talkabout-coaching.de

Foto über www.freepik.com von 

4 Comments

  1. Claudia
    11. August 2015

    Leave a Reply

    Wir haben uns morgen Nacht vorgemerkt zum Schnuppenzählen und wandern gegen Mitternacht mit Hund und ner Decke auf die Wiese fernab von allen möglichen Lichtern. Wer die meisten gesehen hat, hat gewonnen. 🙂

    Liebe Grüße, Claudia

    • susanne
      11. August 2015

      Liebe Claudia,
      so habe ich es auch vor :-)!
      Mal schauen, auf wieviele wir kommen.

      Wünsche Euch viel Spaß und eine tolle Nacht!!!
      Lieben Gruß, Susanne

  2. Petra Schulze
    25. September 2015

    Leave a Reply

    Liebe Susanne,
    es ist sicher eine gute und immer wieder eine aufbauende Sache wenn wir Menschen Wünsche in unserem Herzen tragen und ihnen nachjagen. Das festigt Persönlichkeit, Mut, Ausdauer, Zielstrebigkeit und einen klaren Standpunkt. Dennoch finde ich, nach eigener Erfahrung, das ein Leben dessen Wünsche sich regelmäßig im Sand der Enttäuschungen wiederfinden nicht aufbauend. Was ist der Unterschied zwischen Wunsch und Erwartung? Was wird mit den Enttäuschungen, die es immer im Leben geben wird? Wie gehen Menschen damit um und wie kommen sie erst einmal dorthin mit ihren Wünschen gelassen und gefestigt umzugehen? Wie rational dürfen Wünsche sein, um von ihrer Macht nicht erdrückt zu werden und müssen Wünsche immer in Erfüllung gehen? Wünsche, so meine ich können auch zum Verhängnis werden, sie können auch zum Resignieren und zu depressiven Haltungen führen.
    Ich glaube, ein Mensch mit einer gefestigten Persönlichkeit, der einen Sinn in seinem Leben gefunden hat und sich auf sein persönliches Maß an Zufriedenheit eingelassen hat, dann erst kann er gelassen und ohne Erfüllungsgarantie seinen Wünschen im Leben Raum geben. Erst dann ist es ihm möglich, das Wünsche für sein Leben herausfordernd wirken und einen stärkenden Einfluss haben.
    Zunächst ist es wünschenswert, das die Menschen zu ihren Wünschen einen guten Draht haben, dann wirken Wünsche wie ein Motor im Leben.
    Herzlichen Gruß
    Petra

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