Der Dreimonatsmann

Februar 24, 2014|Posted in: Artikel|By

Der Dreimonatsmann ist immer auf der Flucht, vor dem vierten Monat einer Beziehung, der ihm, so befürchtet er, die Luft zum Atmen nehmen könnte.
Um sicher zu gehen, wartet er manchmal gar nicht bis zum dritten Monat, sondern leitet seine Exit Strategie auch in Einzelfällen schon früher ein.

Selbstverständlich gibt es auch Dreimonatsfrauen – ich war auch schon Eine von Denen.
Die Dreimonatsfrau unterscheidet sich kaum vom Dreimonatsmann. Beiden ist gemein, dass sie Partner wählen, die mit dem Ablauf der Dreimonatsfrist ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen und auch ganz plötzlich zur hoch verderblichen Ware werden.
Sie fangen an zu schimmeln, zu riechen, ihre Form und Farbe zu verändern –  man muss sie schlicht schnellstmöglich abstoßen, um Schlimmeres zu verhindern.

Jetzt kann man fragen, was kam eigentlich zuerst? Das MHD (Mindesthaltbarkeitsdatum) auf dem Partner, den man ausgewählt hat, und bei dem ganz plötzlich der Lack zu blättern scheint, oder das eigene Betriebssystem, dass offensichtlich dazu ausgelegt ist, keine dauerhaften Installationen zu zulassen, vielleicht um sogenannte Bugs (Programm- oder Softwarefehler) zu verhindern.
Hieraus wiederum würde sich die Frage ergeben, ob man mit einem Update im eigenen Betriebssystem für eine neue Ordnung sorgen kann.

Doch fangen wir von vorne an.
Wählen wir die falschen Partner, die uns zu den Dreimonatigen machen, weil man sie nur verlassen kann, wenn man sie erst besser kennengelernt hat, oder ist es eigentlich völlig egal, mit wem wir zusammen sind, wir werden die Dreimonatshürde sowieso nicht nehmen, da wir immer nur die Testversion kaufen, und gar nichts fest installieren wollen.

Ich kann mit Fug und Recht von mir sagen, dass ich Beides schon hatte.

Da waren Typen, die ich offensichtlich in ziemlicher geistiger Umnachtung ausgewählt hatte und Andere, an denen eigentlich alles ganz passend schien, ich mir aber einfach nicht sicher war, ob ich wirklich genug verliebt war, um an der jungen Beziehung fest zu halten.

Nicht genug verliebt!

Wenn das mal kein hinreichendes Kriterium ist, um eine Beziehung zu beenden, oder besser, gar nicht richtig beginnen zu lassen.

Aber hinter NICHT GENUG VERLIEBT, kann man sich auch ganz hervorragend verstecken und darauf warten, dass der Prinz oder die Prinzessin kommt und mit einem Fingerschnippen unsere Welt in ihr Gegenteil verkehrt.

Ich habe grade zwei Dreimonatsmänner in meinem Freundeskreis. Bei dem Einen glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass er es überhaupt über die Einmonatshürde schafft. Er sieht sich eher so als einsamer Wolf, und die Freundin, die es mit viel Ausdauer und Mühe geschafft hat seine Schale zu knacken, ist ihm jetzt schon eine Belastung und hindert ihn daran, weiter ein einsamer Wolf zu sein.

Der Andere ist ein sehr verlässlicher Dreimonatsmann. Bei ihm kann man fast auf den Tag die Stoppuhr danach stellen.
Seit Jahren kommen da Frauen, und er versucht sein Glück, aber nach drei Monaten ist für ihn einfach die Luft raus.

Nicht genug verliebt eben!

Wie wäre das jetzt mit einem Softwareupdate? Würde man das Problem damit beheben können?

Die Frage ist, ob man es wirklich beheben möchte.
Ich glaube die Dreimonatsmenschen haben vorallem vor einer Sache wirklich Angst. Sie haben Angst vor sich selbst, und nirgendwo würden sie sich so gnadenlos kennenlernen, wie in einer Beziehung in der sie an der Seite eines festen Partners ihr Selbstbild kritisch hinterfragen müssten.

Eine Beziehung kann mich nicht nur in die höchsten Höhen heben, sondern auch in die tiefsten Tiefen stürzen. Ich muss Nähe ertragen und Nähe zulassen, ich muss mich nackt und verletzlich machen, und dann steht da Einer und schaut, ob ihm das wirklich gefällt.
Ich muss vorallem akzeptieren, dass ich ein ganz normaler Mensch bin, der einen anderen ganz normalen Menschen an seiner Seite hat.
Ich muss aufhören, auf den großen Knall zu warten. Ich muss erwachsen werden, und der Realität in ihr manchmal schmutziges oder trübes Auge schauen, statt auf Glanz und Gloria zu warten.
Vielleicht muss ich noch viel mehr eigene Defizite, Ängste und Schwächen aufdecken, um die Defizite, Ängste und Schwächen eines anderen Menschen akzeptieren zu können.Vielleicht muss ich einfach ganz furchtbar mutig sein, um alles was mal gewesen ist, in meinem Leben, oder im Leben meiner Eltern, hinter mir zu lassen und unvoreingenommen bei Null zu beginnen.

Das ist nicht immer machbar, und es gibt mannigfaltige Gründe, warum das in einer bestimmten Phase des Lebens nicht das Richtige für uns ist.

Die Antwort ist also nicht eindeutig. Es muss der richtige Mensch zur richtigen Zeit kommen, und wir müssen vorher das richtige Update aufgespielt haben, dann könnte es klappen und man könnte fast unbemerkt vom dritten in den vierten Monat hinüber gleiten.

 

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